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Eugen Borkovsky exhibition

TOČKA PUNTO PUNKT | 19.–28.5.2017

Ein kuratiertes, kollektives, thematisches Kunstprojekt mit Positionen von 38 Künstlerinnen und Künstlern aus Kroatien, ausgestellt in drei Berliner Projekträumen der Kolonie Wedding.

Beteiligte Projekträume: Prima Center Berlin, InteriorDAsein und Toolbox.

Kurator / autor projekta / autore del progetto: Eugen Borkovsky

Welcome: Vernissage / Opening: Freitag / Friday 19.05.2017,  7pm
Öffnungszeiten Kolonie-Weekend / Friday 26.5. 7-10 pm, Saturday 27.5. 2-6pm,  Sunday 28.5. 20172-6pm
Ausstellungsdauer / Exhibition open: 19.–29.05.2017
Öffnungszeiten: Di–Friday 16–19 Uhr
Opening hours: Di–Fr 4-7pm

An Feiertagen ist die Toolbox geschlossen
On Bank holidays Toolbox is closed


Point, Dot, Punto, Punkt, Tocka …

Dieses Projekt problematisiert, erläutert und illustriert ein künstlerisches Element, und das ist der Punkt; die Ausstellung ist Teil einer Reihe, die verschiedene künstlerische Elemente thematisiert. Die Künstler der Ausstellung präsentieren Werke, die sich mit dem Phänomen Punkt auseinandersetzen. Einige der Künstler stellen Fragen zur Bedeutung des Punktes, andere interpretieren ihn durch technische Variationen.

Das Kriterium für die Auswahl der gezeigten Werke war, dass möglichst mehrere Bedeutungsebenen zum Thema in den Werken wiederzufinden sein sollten. In mehreren sind zwei Diskurse sichtbar.

  • Verwendung des Punktes in der Kunst und seine Bedeutung sowie Präsentation individueller und kollektiver Bedeutungen des Punkts,
  • Erforschung der sozial-politischen Bedeutung des Punktes.

Die Ausstellung zeigt ein Spektrum engagierter Arbeiten mit imaginativem Ansatz.

Die meisten der ausgewählten Werke enthalten aktivistische, teilweise anarchistisch gefärbte Haltungen, deren Spannbreite von Intimität bis zu expliziten Botschaften reicht.

Die ausgewählten Werke gehören verschiedenen Stilen und Gattungen an. Sie eröffnen freie Möglichkeitsräume durch das Modellieren von Formen, Nutzung verschiedener Materialien und Medien sowie neuer Technologien.

Für Kunst ist gewiss wichtig, dass die Künstlerinnen und Künstler als Individuen ihre eigenen Emotionen in ihre Werke einfließen lassen. Sie sind keine Politiker, sondern Schauspieler, die direkt oder indirekt reagieren und möglicherweise vor Gefahren der sozialen Realität ihrer Zeit warnen, Zweifel an ihr äußern oder Kritik üben.

Wir haben heute den Glauben an Ideen verloren. Die in der Ausstellung gezeigten künstlerischen Positionen zeichnen sich allesamt durch eine deutliche Skepsis gegenüber der Gegenwart aus. Die Werke beschäftigen sich mit anthropologischen, politischen und sozialen Themen. Im Gegensatz zu Werbung ist Kunst niemals monofokal, sie verfolgt keine einzige Funktion, das heißt, sie ist vieldeutig.

Kritik an der postindustriellen Gesellschaft ist heute ubiquitär. Auch ein zunehmendes Bewusstsein der Grenzen von Geschichtsschreibung überhaupt ist zu vermerken, das heißt, wir glauben nicht mehr einfach, was in den Geschichtsbüchern und vergleichbaren Publikationen steht. So gewinnt der Zweifel an der Unfehlbarkeit westlicher Demokratie an Gewicht.

Die angeblich „einzig richtige“ soziale Ordnung zersetzt sich im außer Rand und Band geratenen Turbokapitalismus selbst; Entlassungen werden in fragwürdigen Statistiken kaschiert, die soziale Ungleichheit nimmt stetig zu, das Prekariat wächst. Dabei wird dann immer behauptet, das Problem seien die Einwanderer. Vielleicht spiegelt das sinkende subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung – bezogen auf Kriminalität – die tatsächlich sinkende soziale Sicherheit. Rechtspopulismus grassiert.

Das Individuum steht zerrissen zwischen der medialen Bilderflut vom idealen Leben und seiner eigenen tatsächlichen Handlungsunfähigkeit.

Die Arbeiten der Ausstellung wirken wie eine Art Seismograf der unsicheren Gegenwart. Viele Künstler beginnen zu erkennen, dass sie der westlichen Demokratie völlig egal sind. Das System duldet sie nur. Das Schicksal des Künstlers in der heutigen Zeit wird nicht nur durch seine Lage bestimmt, sondern auch durch die Entscheidung, gesellschaftspolitisch engagiert oder aber passiv zu bleiben. Wir leben in einer Zeit der Widersprüche. Die Propagandamaschinen (etwa der Werbung) versprechen uns eine neue, schönere, bessere und glitzernde Welt. Auf der anderen Seite werden wir ständig zu Einsparungen gezwungen, und sie versuchen uns von der Notwendigkeit von Kriegen zu überzeugen, die im Namen einer künftigen allgemeinen Wohlfahrt geführt werden.

Im Glauben an die letztendliche Überlegenheit der Vernunft über die wilde Geschäftemacherei habe ich Arbeiten gewählt, die den Zustand der Welt nicht als passive Beobachter, sondern als Teilnehmende zeigen. Die Werke erforschen, provozieren und regen Diskussionen an.

Grožnjan ist ein besonderer Ort der Kreativität; die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler stammen aus dem Umfeld dieses Zentrums. Jedes der Werke nimmt mit einem ganz individuellen Ausdruck eine Befragung der Moderne vor, mit einer breiten Spannbreite im Gestus von klarer und starker Botschaft bis zur feinen Andeutung, von der Dokumentation zur Provokation.

Eugen Borkovsky


Beteiligte Künstlerinnen und Künstler

  • Darko Brajković Njapo
  • Vedran Burul
  • Bruna Dobrilović
  • Slađan Dragojević
  • Fernando
  • Lana Flanjak
  • Željka Gradski
  • Evin Hadžialjević
  • Slavica Isovska
  • Pamela Ivanković
  • Marija Jaensch
  • Marino Jugovac
  • Radovan Kunić
  • Andrea Kustić
  • Edvard Kužina Matei
  • Gordana Kužina
  • Miranda Legović
  • Xueh Magrini Troll
  • Milan Marin
  • Slavica Marin
  • Josip Mijić
  • Gail Morris
  • Saša Pančić
  • Danilo Potočnjak
  • Dijana Rajković
  • Relja Rajković
  • Nika Rukavina
  • Andrea Ružić Čović
  • Refik Fiko Saliji
  • Irena Škrinjar
  • Nina Šperanda
  • Luiza Štokovac
  • Noel Šuran
  • Urša Valič
  • Asja Vasiljev
  • Andrej Zbašnik
  • Marko Zelenko
  • Martin Zelenko

Grožnjan: Stadt der Künstler

Grožnjan ist eine Stadt in Istrien, einem Landesteil Kroatiens. Es liegt über dem Mirna-Tal auf einem Hügel, 228 Meter über den Meeresspiegel. Grožnjan war in prähistorischer Zeit schon besiedelt, später eine römische Festung; historische Quellen erwähnen Groznjan erstmals 1102. Die mittelalterliche Stadt ist bis heute erhalten geblieben. Der Ort hat dicke Stadtmauern mit zwei Toren, von denen eines heute noch steht. Von den Stadtmauern aus kann man bis aufs Meer sehen.

Die Amtssprachen in Grožnjan sind Kroatisch und Italienisch, es werden aber auch Slowenisch und andere Weltsprachen gesprochen.

Photo

Room | 29.4.–13.5.2017

Niina Räty, Finland

Paintings

Welcome: Vernissage / Opening: Freitag / Friday 28.04.2017, 7pm
Öffnungszeiten Kolonie-Weekend / Sunday 2-6pm
Ausstellungsdauer / Exhibition open: 29.4.– 13.05.2017
Öffnungszeiten/ Opening hours: Tue-Sa 2-6pm

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A living room is for living, a lounge is for lounging and a waiting room is for waiting. Each space used according to their intended purpose.

A work room is for working. You take a canvas and hoist it upright, pound the upper corners to the wall with tiny nails, just to make sure it doesn’t tip over. There’s tubes of paint, brushes, solvent, and a spark of an idea in your head. You just make the first stroke. You spread the pigment on the canvas, not totally focused yet. You keep on painting. Little by little the paint spreads over into the space, stains your fingertips and the clothes and teacups you touch. It sticks to the soles of your shoes, forms a path plotting the way you pace in front of the canvas while working and seeking the optimal viewing distance.

An exhibition space is for looking, wandering around, taking a second look. Getting lost in your thoughts.

What is the relationship between these spaces, their relation to us? Why is our life staged in spaces designated for certain uses? That’s nuts, who gave them that power?

Dissonance – Resonance: Spatial variations
25.11.–17.12.

Nixxon Kerimaa, Iida Valkonen, Joonas Järvi, Noora Palotie and Roy Boswell

Vernissage / Opening: Freitag / Friday 25.11.2016, 19 Uhr (Performance 19 Uhr, for further informations scroll down, please))
Öffnungszeiten Kolonie-Wochenende / Opening times on the Kolonie Weekend: So / Sun 27.11.2016 14-18 Uhr
Ausstellungsdauer / Exhibition open: 26.11 – 17.12.2016
Öffnungszeiten/ Opening hours: Di-Sa / Tue-Sat 14-18 Uhr

An Feiertagen ist die Toolbox geschlossen
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Dissonance – Resonance : spatial variations presents five emerging Finnish artists who share an interdisciplinary approach to working in the fields of contemporary drawing, printmaking, sculpture, mixed media and performing arts. The works in the exhibition vary from drawn works and installations to live performances, each presenting ideas on how space can be translated and transformed into works of art; it can be an actual location but also a state of mind, whereas the spatial experiences can vary from precise bodily sensations to more metaphysical transitions between subjective narratives – it can exclude, include, obscure and expose those who venture into it. These are, among others, the questions the artists had worked with for the exhibition. The works in the exhibition both agree and argue with each other when offering various viewpoints to the observers; acts that draw inspiration from similar elements viewed through a different spectrum. When presented in the shared gallery space, they are constantly in relation to one another, yet each of them can be experienced as their own individual micro cosmos, worlds within a world from where they’re stepped into. With the exhibition, the artists invite the guests to look beyond the lines, layers and sculpted structures; to see for themselves how something as universal yet as intimate as space can, when given a moment, be approached. We invite you to trespass. Welcome.

 

Slavoj Žižek Emerges from the Swamp (2016)

A lecture performance that is part of the exhibition discusses the act of seeing and being seen and communication between the living and the dead. The duration of the performance is approximately 40 minutes. The performance will take place on the night of the exhibition opening on 25th November at 8 pm. The performance is also shown on 29.11. / 01.12. / 03.12. / 07.12. / 09.12., all at 7 pm. The public is advised to arrive early as the gallery doors will be closed during the event. Please note that the performance event starts after the gallery’s regular opening hours.

Fly

Finissage: Fake Laders
with Mother’s Nerves and
Improvised Sound Piece
22.10.2016

Finissage: Fake Laders | Ismo Hyvärinen

Start: 6pm and 7pm

Arja Kärkkäinen, 2016

Sound/video piece, 16:00 min

“Mother’s Nerves is a story told by a mother whose son is planning a suicide. The son
is struggling with the question of justification: why is he there to survive while the
other people should die. Who should die after all? The politically incorrect wish of a
destruction can be discussed from a child’s point of view, from its safe harbor. The
story is based on my own early childhood memory, a remark that I made in the
age of 5. I couldn’t understand why there was simultaneously a discussion about
overpopulation and grief for 100 people dying in an airplane accident. The point,
obviously, was that there should be less people and making people less should be
started from somewhere. Fair, until the roulette chooses someone you love.”

Arja Kärkkäinen is a Helsinki based installation artist who mainly works with video and
spatial installation. Kärkkäinen in her MA studies in the Academy of Fine Arts Helsinki.


Start: 8pm

Improvised sound piece with Serge Modular synthesizer

Mika Hyytiä

“The piece will reflect aural and electrical happenings/non-happenings of the space. It aims to fixedly resonate and follow the very present – the ‘NOW’ moment. The outcome can be meditative and/or disorientating, but always mind manifesting.”

Mika Hyytiä is an underground sound artist – musician from Helsinki. Hyytiä’s main instrument is modular synthesizer and over the past 5 years, he has focused on improvisation-based performances around Finland in clubs, art galleries, and festivals. Hyytiä has released limited editions of cassettes and also recordings and releases in collaboration with several artists of highly variant outputs/approaches.


 

Toolbox – Finnisch-deutscher Projektraum, Koloniestraße 120

Abbildung

Very Little … Almost Nothing
29.10–19.11.2016

Antero Kahila

Gemälde / Paintings

Video: Daniel Permanetter


29.10. – 19. 11. 2016

Toolbox – Finnisch-deutscher Projektraum, Koloniestraße 120

Vernissage: Fr. 28. 10. 2016 um 19 Uhr | Opening: October 28th, 7pm
Öffnungszeiten Kolonie-Wochenende: So. 30. Oktober von 14–18 Uhr
Ausstellungsdauer: 29. Oktober bis 19. November 2016 | Öffnungszeiten: Di–Sa 14–18 Uhr


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Sehr wenig … fast nichts

Antero Kahila arbeitet in verschiedenen Medien; er malt, fotografiert und macht Installationen. Seine künstlerische Tätigkeit sieht er als fortwährende Auseinandersetzung mit den Widersprüchen zwischen dem eigenen Sein in der Welt und vielfältigen Unsicherheiten und Paradoxa, die jeder Begegnung mit der Welt innewohnen.
Seine neueren Arbeiten sind überwiegend Gemälde. In den jüngsten Bildern beschäftigt er sich mit Entfremdung und Rückzug aus der Welt. Oft versucht er zu fassen, dass die Menschheit gleichzeitig verletzlich und um ihr eigenes Bewusstsein zentriert ist. Die Darstellung der menschlichen Gestalt findet er reizvoll und sie ist ihm in ihrer kunsthistorischen Bedeutung wichtig.

Sehr wenig … fast nichts ist eine Serie von Gemälden, die die Grenzen menschlicher Verstehensfähigkeit auslotet und Antworten auf unmögliche Fragen sucht. Sie erkundet das Sein in der Welt in uns; wann hört das Selbst auf und wo beginnt die Welt? Diese Suche kann man mit dem Blick in einen zersplitterten Spiegel vergleichen, an dem man zu nah dran ist, um das Ganze oder auch nur spezifische Details ausmachen zu können – der menschliche Maßstab und seine Grenzen. Entfernungen vermischen sich und Umrisse verschwimmen im Hintergrund. Die unscharfe und fragmentierte Spiegelung entzieht sich der Beobachtung und Analyse. Ich kehre an den Anfang zurück, beginne von Neuem und höre nicht auf zu fragen.


Very Little … Almost Nothing

Antero Kahila works with many media, he paints, he takes photographs, he creates installations. Being an artist is for him both a constant effort to reflect upon the contradictions of being in the world and the insecurities and paradoxes intrinsic in any encounter with the world. Most of Kahila’s recent works are paintings. In his latest works Kahila has dealed with alienation and withdrawal. He often tries to depict humanity which is simultaneously vulnerable and yet in an extraordinary way tuned to consciousness. Depicting the human form for him is not only challenging, but also embodies a fascinating art-historical significance.
Very Little … Almost Nothing is a series of paintings that explores the boundaries of human understanding and seeks answers to impossible questions. It explores the being of the world in us; When does the self end and the world begin? The process could be likened to the act of gazing into a fractured mirror that is too close for one to grasp the whole or distinguishing detail, the human scale and its limits. Distances blend into one another and outlines merge into the background. The unfocused and fragmentary reflection escapes observation and analysis. I return to the beginning, start anew and continue to question.


Emotional Circus | Kunstverein Viernheim, Strümpfe Mannheim
2.9.–15.10.2016

Ausstellungsorte:

Toolbox exhibition in South Germany |

  • Kunstverein Viernheim Hügelstraße 24, 68519 Viernheim
  • Kunsthaus Viernheim Rathausstr. 36, 68519 Viernheim
  • Strümpfe Mannheim Jungbuschstraße 3, 68159 Mannheim

Ein Kooperationsprojekt des Kunstvereins Viernheim mit Strümpfe Mannheim und Toolbox Berlin


Kunstverein Viernheim, Kunsthaus Viernheim
9. 9.–15. 10. 2016
Vernissage: 9. 9. 2016, 19 Uhr im Kunsthaus
Begrüßung: Dr. Laura Hirvi, Finnland-Institut Berlin
Öffnungszeiten
Do+Fr 15–18 Uhr und Sa 10–13 Uhr sowie nach Vereinbarung

www.kunstverein-viernheim.de


2. 9.–23. 9. 2016
Strümpfe Mannheim
Vernissage: 2.+3.9. 2016 ab 20 Uhr
Öffnungszeiten nach Vereinbarung

www.struempfe-jungbusch.de


Toolbox Artist Group Finland Berlin

Maija Helasvuo, Installation | Sampsa Indrén, Zeichnung
Minna Jatkola, Malerei | Mika Karhu, Video, Zeichnung
Niina Räty, Malerei | Juha Sääski, Malerei
Matti Vainio, Zeichnung | Andreas Wolf, Malerei


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Emotional Circus

von Anna E. Wilkens

Der Diskurs um die Emotionen ist nicht neu; im Zuge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse beginnt das Reden über Gefühle in der Aufklärung um 1750 mit der „Empfindsamkeit“. Gefühle blieben seither Thema besonders in ästhetischer Theorie und in der im 19. Jahrhundert neu entstehenden Psychologie. Einen bemerkenswerten Aufschwung jedoch nahm die Aufmerksamkeit für Gefühle seit der Jahrtausendwende – eine Reihe neuer Sonderforschungsbereiche wurde in den Kulturwissenschaften, in Psychologie und Neurowissenschaften eingerichtet und man spricht sogar schon von einem Emotional Turn – vielleicht vorbereitet seit der 68er Wende im Zuge von Ganzheitlichkeitsdiskursen; seither gibt es vielfältige Argumentationen wider die alte Dichotomie von Ratio (positiv bewertet) mit ihrem angeblichen Gegenteil, der Emotio (negativ bewertet). Die Vernunft galt als zivilisiert und der Kultur zugehörig, das Gefühl als irrational und „natürlich“.

Bedeutet nun das vermehrte (wissenschaftliche) Reden über Emotionen auch eine Zunahme von Gefühlen? Höchstwahrscheinlich nicht. Und ebenso wenig ist es ein Indiz für eine „Befreiung“ der Gefühle – dass Gefühlsäußerungen (außer im Privaten) etwa zunähmen oder salonfähig würden. Man kann sogar, Foucaults Argumentation in Sexualität und Wahrheit folgend, die These aufstellen, dass die Sichtbarmachung der Gefühle im Diskurs eher zur noch stärkeren Beherrschung von Gefühlen beiträgt, indem der Diskurs immer auch normativ ist. Ein Indiz für die Präsenz eines Diskurses kann die Anzahl der Publikationen zu einem Thema sein: Im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (zum Beispiel) findet man tatsächlich eine Reihe von neuen Titeln zum Thema „Emotion“; es sollte jedoch zu denken geben, dass ein sehr großer Teil davon gar nicht in Kulturwissenschaften, Psychologie oder Neurowissenschaften erschienen ist, sondern in der BWL: Marketing einerseits und Personalführung andererseits. Dass wir alle von der Werbung zum Konsum bewegt werden (sollen), wissen wir; und Emotionale Intelligenz gehört heute zur Ausstattung einer vollwertigen Arbeitskraft. Und die Ratgeberliteratur seit den 70er-Jahren etwa hilft uns nicht nur bei der „Selbstfindung“ und Entdeckung unserer eigenen Gefühle, sondern sie legt implizite Normen fest, nach denen wir beispielsweise immerzu glücklich sein sollen und in Beziehungen auf jeden Fall erfüllte Liebe finden. Etwas zu erkennen, es präzise und differenziert erfassen zu können, führt immer auch zu größerer Beherrschbarkeit, ermöglicht Kontrolle. Der Prozess der Zivilisation (Elias), in dem der Fremdzwang zum Selbstzwang wird, wird fortgeschrieben.

Wirklich neu am zeitgenössischen Emotionsdiskurs seit etwa 2000 ist, dass auch in wissenschaftlichen Forschungen nun davon ausgegangen wird, dass menschliches Leben stets ein Zusammenspiel zwischen Denken und Fühlen sei; das Fühlen informiert das Denken und das Denken beeinflusst das Fühlen. Und das gilt im Bereich des privaten, individuellen Gefühls und Denkens als auch in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen (öffentlich); Emotionen werden von gesellschaftlichen Strömungen geprägt, sie sind folglich mindestens partiell historisch und nicht überzeitlich (das bedeutet auch, dass es Emotions-Moden gibt), und umgekehrt bestimmen die Gefühle ihrerseits gesellschaftliche Entwicklungen mit. Das impliziert auch, dass ein Wandel stattgefunden hat in der Wahrnehmung von Emotionen, die nicht länger als nur passiv (Passion), also erlitten und als Reaktion auf Umweltreize angesehen werden, sondern ihrerseits – aktiv – ihre Umwelt bestimmen oder jedenfalls beeinflussen.

Der Bereich der Kunst nun gilt seit ihrer Autonomisierung als eine Art Freiraum, in dem Elemente menschlichen Lebens sowohl thematisiert als auch ausgelebt werden können, die sonst unsagbar sind, entweder, weil sie tabu, oder aber, weil sie (noch) nicht wissenschaftlich erfassbar sind.

Die Künstlerinnen und Künstler der TOOLBOX zeigen in Viernheim unterschiedliche künstlerische Positionen zum Thema Gefühle: Die Werke beschäftigen sich mit Gefühlen im Schaffensprozess; mit Gefühlen, die als potenziell zerstörerische Unterströmung nicht zuletzt von Machtverhältnissen und Politik hervorgerufen werden; mit dem Sinnlichen von Kunstwerken; und auch damit, wie Medien und Werbung mithilfe psychologischer Erkenntnisse bestimmte Emotionen in ihrem Publikum hervorrufen.


Emotional Circus

Anna E. Wilkens

Talk about emotions isn’t new; in modern age Europe the discourse on feeling has its origin in philosophical and literary ‘Sentimentalism’ during the Age of Enlightenment, around 1750. Since then, emotions have constantly been a popular topic, especially in aesthtic theory and psychology, as a new discipline of the 19th century, though there has been a remarkable increase in attention to emotions in early 21st century. A number of special research facilities focussing on the study of emotions, mainly in Cultural Studies, Psychology and Neuroscience, have been established since the turn of the century, and the term emotional turn has been coined. Maybe this new attention to emotions has its roots in the seventies with the shift towards more universal and holistic approaches to the interpretation of society.
Nowadays we find a lot of arguments to dissolve the classical dichotomy of reason (with a positive connotation) vs. emotion (negative). Reason was deemed civilised and an aspect of culture; emotion on the other hand was conceived as irrational and belonging to nature.
Now, does the broadening of (academic) discourse on emotions mean that we actually feel more? Or are emotional outbreaks in public more acceptable than before? Probably not.

Following Foucault’s reasoning in The History of Sexuality, we could argue that the increase in talk about emotions doesn’t indicate any kind of liberation of feeling, but, on the contrary, that greater attention to the discourse on emotions engenders an enforcement of control of emotions, in that any discourse is, among other things, always also normative and an instance of regulation or even domination.
As evidence for its importance in contemporary thought the number of publications on the topic can be taken: In the catalogue of the German National Library for example we find a myriad of titles about emotions; but it is quite sobering that very many of these books on ‘emotion’ aren’t published in Cultural Studies, Psychology or Neurosciences, but in Business Theory: Marketing and Personnel Management. It is a well known fact that we all are (supposed to be) manipulated by advertising, and today emotional intelligence is something every employee should bring to the workplace.

And self-help literature doesn’t only helps us ‘find ourselves’ and ‘discover our emotions’ but also installs a set of implicit norms, according to which we are supposed to be constantly happy, and in intimate relationships by all means be fulfilled through love.
Awareness and knowledge about something always facilitates greater manageability, increases control. The Process of Civilisation (Elias), the transformation of external constraints into self-constraintsort, continues.

The novelty in contemporary discourse on emotions is the consideration even in scientific and scholarly research that human life always is an interplay of thought and emotion; feeling informs thinking, and reason influences emotions – in private, individual thought and emotion as well as in broader societal contexts (public); emotions are shaped by publicly discussed ideas, which means that they are at least partially historical and therefore subject to modification (from this follows that there must be fashions of emotion), on the other hand, feelings are important in shaping political and social change.
All of this implies that there must have taken place a change in the perception of emotions, which nor longer are conceived as passive, something which is endured, suffered and a reaction to external stimuli, but as active, in so far as they inform and influence life in the world.

Art is deemed to be free and is considered to be a kind of residual of liberties, a space in which you can speak of aspects of human life that are usually not spoken of and act out emotions that might be taboo otherwise, or there can be talk about phenomena that haven’t (yet) found a scientific explanation.
The artworks in the exhibition show various approaches to the topic of emotions: one’s own emotions in the process of creating an artwork; potentially disruptive subcurrents, last but not least engendered by hegemonial forces and politics; the sensual aspects of artworks; and also, how media and advertising strive to evoke certain emotions in their target groups through psychological tools.


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Ismo Hyvärinen

Fake ladders |
01.-23.10.2016

Ismo Hyvärinen

Fake ladders

Gemälde / Paintings


1. – 23. 10. 2016

Toolbox – Finnisch-Deutscher Projektraum, Koloniestraße 120

Vernissage: Willkommen zur Eröffnung am 30. 09. 2016 um 19 Uhr
Öffnungszeiten Kolonie-Wochenende: So. 2. Oktober von 14–18 Uhr
Ausstellungsdauer: 30. September bis 23. Oktober 2016 | Öffnungszeiten: Di–Sa 14–18 Uhr



Fake ladders

We are always in between something. Morning and evening. Yesterday and tomorrow. In the rearview mirror, we can glimpse the landscape just passed. Everything is still before us. Being is an opportunity. My paintings reflect all of this.

I feel like a chameleon, floating, melting into the auras of other people. On my canvases, things in space and time are transformed into colors and shapes. We live in an uncertain age, full of manufactured threats and empty promises. In my paintings, these appear as gloom, as somber darkness. But countering darkness is light, the hope of something better and more humane.

For me, painting is a visual and philosophical dialogue with the world around me. The significance of space, light and color in my work has deepened over the years. I process things through my emotions; I am a kindred spirit of the storytellers of the Romantic age, whose art was inspired by feelings.

http://www.ismohyvarinen.fi

 

Photo

Schändlich / Shameful |
26.8.–24.9.2016

Juha Sääski

Schändlich / Shameful

Gemälde / Paintings


Video:

Stoll & Wachall, Berlin | Sue Mandewirth, Ludwigshafen


 

26.8. – 24.9. 2016

Toolbox – Finnisch-Deutscher Projektraum, Koloniestraße 120

Vernissage: Freitag 26. August,  19 Uhr |  Harri Sjöström (Sopran und Sopranino Sax)
Öffnungszeiten Kolonie-Wochenende: So. 28. August von 14–18 Uhr
Ausstellungsdauer: 24. Juni bis 23. Juli 2016 | Öffnungszeiten: Di–Sa 14–18 Uhr

An Feiertagen ist die Toolbox geschlossen | On Bank holidays Toolbox is closed


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Shameful

In Juha Sääski’s paintings shame is put in an appearance through social phenomenons and gender role models. The concept of shame is changing continuously; the things that used to be shameful twenty years ago, are not necessarily shameful today. Among other factors reality television has changed the culture, hiding shame has become making it public.

In Sääski’s paintings shameful means for instance how we have let the structures of our societies change under command of economy at the expense of human values, dreams and future hope.

A limited amount of humour in Sääski’s paintings is acting as a symbol of hope.

Juha Sääski is showing distanced metaphors of different forms of shame and its social connections through surreal and absurd associations. But nevertheless they are not too far removed from the view of everyday life.

The cliches and naive elements used by Sääski are included in the means of comedy, which show the nature of things and phenomenons in a new, but not a joking viewpoint. Sääski’s aim in juxtaposing the tragicomic, contrary elements is to express the paradox of human existence universally applicable.

Juha Sääski is a Finnish visual artist, who has arranged five solo exhibitions in Germany: Nuremberg, Ulm and Berlin. This exhibition is his third in Berlin. Sääski has participated in eight group exhibitions in Germany, for instance in Munich, Berlin, Viernheim, Mannheim and in Ludwig Museum Koblenz.

www.juha-saaski.fi

www.kuvataiteilijamatrikkeli.fi

www.facebook.com/juha.saaski2


Schändlich

In Juha Sääskis Bildern zeigt sich Schande anhand von gesellschaftlichen Phänomenen und Geschlechterrollen. Was wir als Schande auffassen, verändert sich ständig – was etwa vor zwanzig Jahren als Schande war, ist es heute unter Umständen nicht mehr. Unter anderm hat das Reality-TV unsere Kultur verändert: dort ist aus dem Verbergen von Schande deren öffentliche Zurschaustellung geworden.

In Sääskis Gemälden wird zum Beispiel als schändlich verstanden, wie wir die Veränderung der Strukturen unserer Gesellschaften unter dem Diktat der Wirtschaft zugelassen haben, auf Kosten menschlicher Werte, unserer Träume und des Glaubens in eine Zukunft.

Humor fungiert in den Sääskis Gemälden als ein Symbol der Hoffnung.

In seinen Bildern zeigt Juha Sääski distanzierte Metaphern von Schande und ihrer sozialen Kontexte in surrealistischen und absurden Anspielungen. Gleichzeitig bewahren sie die Nähe zur Alltagsrealität.

Die von Sääski verwendeten Klischees und naiven Elemente arbeiten mit den Mitteln der Komik, mit deren Hilfe der Charakter der Dinge und Phänomene sich unter einem neuen Blickwinkel zeigt, ohne jedoch ins Scherzhafte abzudriften.

Indem er tragikomische und widersprüchliche Elemente nebeneinander setzt, drückt er die allgemeine Paradoxie menschlicher Existenz aus.

Juha Sääski ist ein finnischer bildender Künstler, der in Deutschland fünf Einzelausstellungen ausgerichtet hat (in Nürnberg, Ulm und Berlin). Schändlich / Shameful ist seine dritte Ausstellung in Berlin. Sääski hat in Deutschland an acht Gruppen- und Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen, unter anderem in München, Berlin, Viernheim, Mannheim und im Ludwig Museum in Koblenz.

www.juha-saaski.fi

www.kuvataiteilijamatrikkeli.fi

www.facebook.com/juha.saaski2

Photo

Faces | 29.7.-20.8.2016

HANNU LUKIN & MEERI LUKIN

July 29 – August 20

Vernissage | Opening: Friday 29.7.2016, 19:00

Hannu Lukin is a Finnish artist, painting a large scale works with oil on canvas. In recent years he has been traveling around Europe and Asia, painting portraits of the locals. In his journeys, painting worked as a way to communicate and connect with people, when there was no shared language.

http://hannulukin.net

Meeri Lukin is an artist working with sound and video. Her works are poetic, audiovisual narrations about themes such as value of human life, and fear and hope in the era of global eco-catastrophes.

http://www.meerilukin.com

—-

Toolbox Art Space

Koloniestraße 120

Berlin 13359

Germany
artwork nears

Menagerie | 29.4.–20.5.2016

Menagerie – Tiere im Zoo der Kunst | Animals in the Art Zoo |


Text in English
Quotes from Artists | Zitate

 

Dear friends and artists,
we would like to invite you to the Finissage of our exhibition

Menagerie – Animals in the Art Zoo

Friday, May 20th

Toolbox and madeinwedding are showing two parts of the exhibition.

  • madeinwedding is open from 2–6 pm
  • Toolbox is open from 2 pm–open end

If you want to see the whole exhibition you can do so between 2–6 pm.

At 7 pm small buffet (food) from Mr. Ira Schneider and drinks will be served.


Toolbox – Finnisch-Deutscher Projektraum, Koloniestraße 120
in Kooperation mit Madeinwedding

Vernissage: Freitag 29. April um 19 Uhr, Performance: Tintin Patrone
Öffnungszeiten Kolonie-Wochenende: So. 1. Mai von 14–18 Uhr
Ausstellungsdauer: 29. April bis 20. Mai 2016 | Öffnungszeiten Mo–Fr 14–18 Uhr
kuratiert von Anna E. Wilkens und Andreas Wolf mit Support von Karen Koltermann
An Feiertagen ist die Toolbox geschlossen
Finissage: 20.5.2016 | 14-17.30 Uhr in madeinwedding und in Toolbox, ab 17:30 in Toolbox

Die Werke der Ausstellung thematisieren verschiedenste Beziehungen zwischen Tieren, darunter auch menschliche Tiere.


Menagerie

Text: Anna E. Wilkens

„Menagerien“ waren höfische Tierparks (ca. 16.–18. Jh.), in denen Tiere aufgrund ihres Exotismus – analog den Kuriositätenkabinetts – gesammelt und „ausgestellt“ wurden. Sie gelten als Vorläufer des Zoos, dessen Erscheinen und Einrichtung auf zoologischen Taxonomien beruht, die im 18. Jahrhundert entwickelt wurden. Diese zoologischen Klassifizierungssysteme gehören zum modernen naturwissenschaftlichen Paradigma: Zoos sind ihrer Anlage nach in die Moderne gehörig, Menagerien sind vormodern.

Bis heute hat das Wort „Menagerie“ eine Bedeutungsverschiebung erfahren und meint eine ungeordnete Ansammlung, meist von Menschen, das Beispiel im Duden-online lautet „in übertragener Bedeutung: eine ganze Menagerie (scherzhaft; Ansammlung) von Künstlern war zugegen“.

Der Ausstellungstitel meint zum einen, dass die Ausstellung durch sowohl kuratorisches Konzept als auch Zufall entstanden ist – Ordnung/Intentionalität und Unordnung/Serendipity; zum anderen ist er als emphatischer Hinweis auf Historizität zu verstehen: die verschiedenen historischen Phasen im abendländischen menschlichen Diskurs über Tiere, besonders seit Beginn der Neuzeit.

Human Animal Studies: Animal Turn

Eine zunehmende Radikalisierung der Reflexion über die eigenen Vorannahmen, Vorurteile, den eigenen historischen Standpunkt zeichnet das (kulturwissenschaftliche) Reden über Tiere in den letzten etwa vier Jahrzehnten aus, noch verstärkt seit der Jahrtausendwende. Vorsichtig kann hier von einem Paradigmenwechsel (im Sinne Kuhns) gesprochen werden, eine Veränderung, die über einen „turn“ hinausgeht, der als ein Perspektivenwechsel innerhalb einer Disziplin bei gleichzeitiger Vernetzung mit anderen Disziplinen verstanden wird. Der Animal Turn (Harriet Ritvo) ist einer in einer ganzen Reihe von anderen zeitgenössischen Turns (cultural, spatial, corporeal, emotional, material, pictorial etc.). All diesen Turns gemein ist, so die These, dass ihre Grundlage die Loslösung von dem seit Descartes vorherrschenden erkenntnistheoretischen Paradigma ist, das auf Dichotomien beruht: res cogitans und res extensa, Geist und Körper, daran anhängend Kultur und Natur, Mensch und Tier, Mann und Frau, „und die entsprechend analogisch konstruierte Nähe von Kultur/Mensch/Mann versus Natur/Tier/Frau“, die „noch immer nicht vollends suspendiert“ ist (Carola Sachse).

Pluralität – Relationalität

Das neue Paradigma gründet in der Auffassung, dass Entitäten, welcher Art auch immer, nicht ohne ihre Beziehungen existieren. So bemerkt, zum Beispiel, Hannah Arendt, dass die Welt das „Zwischen“ sei und dass Menschen stets und immer schon im Plural existieren – und nicht, wie bei den deutschen Idealisten, als vervielfältigtes, immer gleich funktionierendes Subjekt. Eine solche Auffassung findet sich auch in der Transzendental- und Universalpragmatik (Habermas) sowie zeitgenössisch in Praxeologie, Actor Network Theory und Relationismus.

Agency: Tiere als Handelnde

Im Zuge der Betonung von Beziehungshaftigkeit allen Seins wird neuerdings Handlungsfähigkeit auch solchen Entitäten zuerkannt, die bisher stets als passive Objekte angesehen wurden: Tiere. Möglich ist das durch die Entkoppelung von Intentionalität und Handlungsfähigkeit, das heißt, man muss die Handlung nicht bewusst beabsichtigen, damit sie innerhalb einer Interaktion eine ist. Tiere sind zur Agency fähig, und in dieser haben verschiedenste Tiere die vielfältigsten Beziehungen zu Menschen. Oder: menschliche und andere Tiere interagieren miteinander.

Im überkommenen Weltbild war zunächst „der Mensch“ (im Singular, weil alle Exemplare als prinzipiell gleich gedacht wurden), dann hat „er“ (auf jeden Fall ist der exemplarische Mensch männlichen Geschlechts) Tiere domestiziert und sich die Welt untertan gemacht.

Dagegen setzt die Re-Interpretation historischer Mensch-Tier-Beziehungen mit der Menschwerdung an, indem zum Beispiel nicht mehr von der Domestizierung von Wölfen (die dann Hunde wurden) gesprochen wird, sondern von Allianzen zwischen Wölfen und Menschen, die entscheidend sind in der Menschwerdung, ohne die sie nicht oder ganz anders stattgefunden hätte. Das Gleiche gilt für Hunde, die ohne ihre Kooperation mit Menschen nicht wären oder ganz anders wären.

“Beings do not preexist their relatings.” (Donna Haraway)

Verschiedene mögliche Beziehungen zwischen Menschen und anderen Tieren sind Grundlage für die Gruppierungen der Werke in „Gehege“ im Ausstellungszoo:
Gehege der Freundschaften; Gehege der zufälligen Begegnungen; Hommage an eine Tiergattung; Taxonomien; Verwandtschafts-Haus; Identifikation von Menschen mit Tieren; Gehege der Präparation; Gehege der Jagd von Menschen auf andere Tiere; Tiere als Form (Selbstreflexion der Kunst); Traumhafte Begegnungen (Aufhebung der Hierarchie zwischen Menschen und anderen Tieren).
Ein paar Tiere haben ihre Gehege verlassen oder laufen als Wildtiere im Zoo herum.


Künstlerinnen und Künstler:

Aleksandar Jestrović,  Berlin (Malerei)
Alexander Horn, Mannheim (Malerei)
Archi Galentz, Berlin (Zeichnung)
Buffy Klama Berlin (Zeichnung)
Carolina Brack, Berlin (Cutout)
Catherine Bourdon, Berlin (Malerei)
Christof Zwiener, Berlin (Video)
Dunja Hamdorf, Hamburg (Zeichnung)
Eike Laeuen, Berlin (Fotografie)
Erik Weiser, Leipzig (Skulptur)
Hannah Dougherty, Berlin (Zeichnung)
Heikki Länkinen, Finnland (Malerei)
Henrik Jacob, Berlin (Knete)
Ilia Kitup, Berlin (Zeichnung)
Ina Sangenstedt, Berlin (Skulptur)
Mr. Ira Schneider, Berlin (Video, Fotografie)
Jakob Roepke, Berlin (Malerei)
Johanna Lonka, Tampere FI (Installation)
Joseph Heeg, Mannheim (Malerei)
Jovan Balov, Berlin (Zeichnung, Foto)
Kaisu Koivisto, Helsinki (Skulptur)
Karen Koltermann, Berlin (Malerei, Video)
Katia Kelm Berlin, (Malerei, Installation)
Konstantin Voit, Mannheim (Malerei)
Laura Kärki, Helsinki (Skulptur)
Liisa Kanerva, Helsinki (Malerei)
Magdalena, Åberg Helsinki (Malerei)
Mika Karhu, Hyvinkää, FI (Zeichnung)
Nina Lassila, Belgien / Berlin (Video)
Otgonbayar Ershuu, Berlin (Malerei)
Reiner Maria Matysik, Berlin (Video, Aktion)
Ricarda Wallhäuser, Berlin (Collage)
Saana Inari, Berlin (Video)
Sampsa Indrén (Painting)
Sanni Seppä, Finnland (Zeichnung)
Sennf Berlin, (Mixed Media)
Skadi Engeln, Berlin (Druckgrafik)
Susanne Schirdewahn, Berlin (Skulptur)
Tanja Vetter, Mannheim (Malerei)
The Niñxs (Helena Hernández &
Rafael Koller), Berlin/Luzern (Zeichnung)
Tintin Patrone, Hamburg (Performance)
Veronika Witte, Berlin (Video)


Menagerie – Animals in the Art Zoo

Exhibition April 29—May 20, 2016

Finissage: 20.5. 2016 | 14-17.30 Uhr in both spaces, later only in Toolbox

Toolbox – Finnish-German Art Space, Koloniestraße 120, 13359 Berlin/Germany
On Bank Holidays Toolbox is closed

Curators: Anna E. Wilkens and Andreas Wolf with support from Karen Koltermann

In the exhibition, 43 artists take a variety of relations between animals, humans among them, into focus. These relations are, for example, love, prey, chance encounters, genetic hybridisation, classifying in zoological taxonomies, identifying, comparison (anthropomorphisms) and mystification.

Photos from the Opening

Menagerie

Text: Anna E. Wilkens

‘Menageries’ – courtly collections of animals (16th to 18th century), similar to Cabinets of Curiosity, in which animals were ‘displayed’ for reasons of being ‘exotic’ – are precursors to the modern zoo. The zoo, developed in the 19th century, relies on taxonomies that stem from the 18th century. These taxonomies are part of the modern scientific paradigm: zoos belong to modernity; menageries are pre-modern.

To the present day, the word ‘menagerie’ in German has undergone a shift of meaning, nowadays it signifies (in figurative use) a random and unsystematic collection of items or people. The example in the online edition of Duden, the German spelling authority for this usage is: ‘a whole menagerie of artists was present’.

The exhibition’s title points to the process of assembling the works: between curatorial concept and serendipity, and it furthermore emphatically stresses historicity: different historical stages in occidental human discourse on animals, especially post-medieval.

Human Animal Studies: Animal Turn

Reflection on prejudices and assumptions pertaining to one’s own historical standpoint have increased considerably in contemporary (cultural studies) discourse on animals in the last four decades, and even more so since the beginning of the 21st century.

Tentatively this can even be called a paradigm shift (according to Kuhn), a change in thought that goes beyond a turn; a turn being understood as a change of perspective in one academic discipline, while at the same time broadening the scope through working interdisciplinary. The Animal Turn is one in a whole menagerie of turns (linguistic, cultural, spatial, corporeal, emotional, material, iconic etc.). All of these share the common trait of liberating thought from the Cartesian epistemological paradigm that is based on dichotomies: res cogitans and res extensa, spirit and body, and based on this primary dichotomy there are culture and nature, human and animal, man and woman, and the analogously construed proximity of ‘culture/human/male versus nature/animal/woman, which still hasn’t been overcome completely’ (Carola Sachse).

Plurality – Relationality

The new paradigm holds that entities, of any kind, ‘do not pre-exist their relatings’ (Donna Haraway). For example Hannah Arendt states that the world we inhabit is in the ‘between’, that which exists between people (for Arendt always people, not animals), and that humans always and from the beginning have existed in the plural, as more than one – contrary to German philosophical Idealism, according to which each and every subject is basically the same (all individuals ‘function’ in the same way and therefore don’t exist in plurality, only in the plural).

The notion of world as plurality we find for example in Universal Pragmatism (Habermas), in Praxeology, Actor Network Theory and Relationalism. We are what we are in and through our relations with each other, animals included.

Agency: Animals as Acting Entities

Humans, in the course of emphasising relations as the cornerstone of all existence, recently began to acknowledge agency in beings formerly perceived as things or thing-like objects, not capable of acting. The possibility of perceiving animals as acting beings relies on a changed concept of action: action is no longer seen as being necessarily linked to intention, nor having an intention as prerequisite. Actions do not have to be conscious and purposeful to be called actions. So we can conceive of interactions as actions without these actions mandatorily being intentional. Animals are capable of agency and they have a whole lot of different relationships with humans (human animals). Or: humans and other animals interact.

In the traditional world view, first there was man (definitely in the singular, one man, since all specimen are basically the same), than ‘he’ (the exemplary human is always male) domesticated animals and subdued the world.

Contrary to this notion, the re-interpretation of historical relations between humans and other animals begins at the beginning of humanity; for example, dogs are no longer perceived as domesticated wolfs, but wolfs and early humans shaped alliances, cooperating in ways that were of fundamental importance for homo becoming human and wolf becoming dog. Without each other, they wouldn’t be what they are or they wouldn’t even be at all.

The works in the exhibition-zoo are grouped according to those relations of humans and other animals that we can see in them. The assemblages of works are called “compounds”, “enclosures”, “houses” etc., like in a zoo. There are of course more possible relations than are shown in the exhibition.
Compound of Friendship; Compound of Chance Encounters; Homage to a Species; Compound of Taxonomies; House of Relatives; Enclosure of Identification of Humans with Other Animals; Cage of Preparation; Enclosure of Humans Hunting other Animals; Compound of Animals as Shapes in Art; Dreamlike Encounters/Suspension of Hierarchies between Humans and Other Animals.
Some animals have left their compounds or are running around the zoo as strays or wild animals.


Aleksandar Jestrović Berlin (Painting)
Alexander Horn Mannheim (Painting)
Archi Galentz Berlin (Drawing)
Buffy Klama Berlin (Drawing)
Carolina Brack Berlin (Cutout)
Catherine Bourdon Berlin (Painting)
Christof Zwiener Berlin (Video)
Dunja Hamdorf Hamburg (Drawing)
Eike Laeuen Berlin (Photography)
Erik Weiser Leipzig (Sculpture)
Hannah Dougherty, Berlin (Drawing)
Heikki Länkinen, Finland (Painting)
Henrik Jacob, Berlin (Play Dough)
Ilia Kitup Berlin, (Drawing)
Ina Sangenstedt, Berlin (Sculpture)
Mr. Ira Schneider, Berlin (Video, Photography)
Jakob Roepke, Berlin (Painting)
Johanna Lonka, Tampere FI (Installation)
Joseph Heeg, Mannheim (Painting)
Jovan Balov, Berlin (Drawing, Photography)
Kaisu Koivisto, Helsinki (Sculpture)
Karen Koltermann, Berlin (Painting, Video)
Katia Kelm Berlin, (Sculpture, Painting)
Konstantin Voit, Mannheim (Painting)
Laura Kärki, Helsinki (Sculpture)
Liisa Kanerva, Helsinki (Painting)
Magdalena Åberg, Helsinki (Painting)
Mika Karhu, Hyvinkää, FI (Drawing)
Nina Lassila, Belgien / Berlin (Video)
Otgonbayar Ershuu, Berlin (Painting)
Reiner Maria Matysik Berlin (Video, Action Art)
Ricarda Wallhäuser Berlin (Collage)
Saana Inari Berlin (Video)
Sampsa Indrén (Painting)
Sanni Seppä Finland (Drawing)
Sennf Berlin (Mixed Media)
Skadi Engeln Berlin (Print)
Susanne Schirdewahn Berlin (Sculpture)
Tanja Vetter Mannheim (Painting)
The Niñxs (Helena Hernández &
Rafael Koller) Berlin/Lucerne (Drawing)
Tintin Patrone Hamburg (Performance)
Veronika Witte Berlin (Video)


Quotes from Artists | Zitate

Menschliche Porträts werfen immer auch Fragen nach der Person auf. „Wer ist diese Kröte genau und in welcher Beziehung stehen Sie zu Ihr?“ werde ich dagegen nur selten gefragt.

The deer has references to cute, big headed figures such as a Bambi. But on the other hand I want to confront the docile figure with the steel structure, which refers to machines and technology.

Ein erfreuliches Zeichen von Zivilisation sind Möwen wohl dann, wenn man in der Weite des Meeres in Seenot geraten ist. Bei ihrem Erscheinen kann man auf die Nähe eines Schiffes oder der Küste hoffen.

Warum diese Tiere? Weil sie gebündelt in einem gut postkartengroßen Schablonenheftchen aus den USA versammelt sind, zum Thema Reptilien.

Chester hatte ein Fell so schwarz wie die Nacht und einen Kopf, der war so breit, dass man ihn für einen Rammbock in Dackel-Gestalt halten konnte. Er hatte weder Manieren noch Freunde und verbrachte seine Tage dösend im Körbchen, das er nur verließ, um dann mit seinem irrsinnig breiten Schädel und mit Karacho einen seiner Hundekollegen umzuhauen.

In ihrer magischen Realität ist dieses Mischwesen aus Mensch und Tier die alles bestimmende Figur. Unter ihren Augen steigen Kugeln aus dem Wasser und Gewehre versinken darin.

Das Meerschweinchen hat weder etwas mit dem Meer zu tun, noch ist es mit dem Schwein verwandt. Eher unförmig und wenig elegant, hat es den einzigen Vorteil, wenn man den kulinarischen ausnimmt, als niedlich zu gelten und die volle Aufmerksamkeit von vorpubertierenden Mädchen für sich zu gewinnen.

Four bears are having a good time and drinking beer. It is a night when one of the bears is celebrating the birth of his child. The bear is like a totem animal for me. It is a very mythical animal here in Finland. There is also a very old myth of a woman and a bear having a love affair.

The motif (animal) in the picture is a small bird I found dead in my front yard. Probably killed by our cat.

Tiere und Menschen durchspielen als Protagonisten der fiktiven Szenenbilder psychische Realitäten und Einstellungen (attitudes) zur Wirklichkeit. Die Tiere sind dabei Verkörperungen von Affekten, sind rätselhafte Totems, erhabene Archetypen, deplazierte Störer und animalische Wiedergänger.

And if we aren’t eating it – then our pets are. Meat. Organized. Monetized. Industrialized.

In Verbindung mit Autos sind Insekten vor allem eines: lästig.

Max war mein Begleiter, mein Trabant und meine Muse. Er drang in meine Bilderwelt ein, auch in die Malerei und die Zeichnung. Durch ihn wusste ich: Alles ist Natur.

Wie schauen Affen fern? Welche Sendungen bevorzugen sie? Und wer bestimmt, was läuft? Solche Fragen mochte der Stuttgarter Zoo jetzt mit einer Forschungsreihe klären.

1977, I was in Kenya at the Masai Mara enormous animal free roaming preserve. On my way there at night I spotted an animal ahead in my headlights and quickly took a picture of this cheetah/Gepard. I continued on to my first night at the camping centre. Sleeping in a tent was difficult. I kept hearing lions roar behind it, nearby.
It was only in the light of morning that I saw that a large metal chain fence surrounded the entire camp.

I’d like to sing you a lullaby
about hedgehog
anteater and crayfish
and share my life with you
but you know I am just a dreamer

basically a small good-humored sculpture with big eyes, but the truth is that it has a high risk becoming extinct in the near future.

I was stressed and was told that I need to let go of control and swim around playfully, get my fish as the otter. The dove told me to slow down, pause and breathe – which felt quite stressful.

die einzigen tiere, die keine tiere sind, sind affen. und menschen sind keine menschen sondern tiere.

Die Wertfreiheit in ihrer Beobachtung ignoriert wiederkäuend meine Bemühungen, etwas besonders Anspruchvolles zu vollbringen und wirft mich immer wieder auf das zurück was ist: Die Kuh, die Landschaft und ich.

Der Kopf ist für mich ein Sinnbild für den Aufbruch geworden und: er sieht nach all den Jahren immer noch gut aus. Der Staub der Zeit wäre in den Wäldern Finnlands natürlich weniger haften geblieben. So hängt er hier in Berlin rum und beobachtet die Lage.

We let us surprise ourselves by the vastness of the world we live in. Birds and house pets are a dichotomy of our clashing dialogues.

An individual sparrow may appear beautiful but having tens of them may give you quite a contrary impression.


Photo bear: Mr. Ira Schneider